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Gedicht - Heinrich Beitzke


Graf Werner

Graf Werner klopft an Emmy`s Thür`
Beim letzten Abendschein;
Das Fräulein späh`te schnell hinaus,
Ob`s möcht` ihr Liebster sein.

O holde Emmy, mach` mir auf
Und laß mich ein zu Dir,
Vor Sehnsucht nach dem rothen Mund
Stirbt sonst Dein Liebster schier.

Geduld Graf Werner, heuchle nur,
Doch nicht betrügst Du mich;
Hast Du Dich noch so sehr verstellt,
Sogleich erkannt` ich Dich.

Graf Werner bin ich ganz gewiß
Und heuchle Dir nichts vor,
Ich komm` mit tausend Liebesfleh`n
Zu neigen mir Dein Ohr.

Geh`, Werner geh`, nie kommt die Zeit,
Daß ich die Deine bin;
Ein And`rer hat ja Lieb` und Treu`,
Du weißt es — längst dahin.

O Emmy ach, wie bist Du blind,
Daß Du den schwachen Wicht,
Den Knaben verzieh`st, mir, dem Mann,
Gewiß, ich faß` Dich nicht.

Er hat ein kleines Schlößchen nur,
Ich habe zehn dafür;
Er hat nicht zwanzig Hufen Land,
Ich habe tausend schier.

Er hat nicht Eine kühne That,
Nicht Einen Ritt gethan;
Vor meiner Lanze sanken schon
Wohl hundert auf dem Plan.

Halt an, Graf Werner, schmähe nicht
Und lüge nicht so sehr,
Mein Rudolph ist der beste Mann
Und keiner ist, wie er.

Wer ist so schön und schlank von Wuchs
So stark und so geschwind?
Wer ist so fertig auf der Jagd
Und reitet, wie der Wind?

Wer ist so gut und hold und treu,
Und liebt so rein wie er?
Und hält` er hundert Schlösser auch,
So liebt ich ihn nicht mehr.

Ihr Werner seid ein rauher Fels,
Seid falsch und schlecht zugleich,
Ich reicht` Euch wohl nicht Herz und Hand
Und gält`s ein Königreich.

Und seid Ihr tapfer und voll Kraft
Und schmäh`t Ihr jetzt ihn frei,
So wißt, er ist kein Schwächling mehr,
Wie schlank und jung er sei.

Und habt Ihr hundert Ritter auch
Mit Eurem Speer gefällt,
Nehmt Euch in Acht, trifft er einmal
Mit Euch sich auf dem Feld! —

Beim Teufel! ruft Graf Werner stolz,
Ihr schmäh`t mich ohne Noth,
Wir trafen uns vor Abend heut
Und er empfing den Tod.

Schau`t her, an meinem Schwerts sitzt
Sein purpurrothes Blut.
Wo ist denn seine große Kraft,
Wo nun sein kühner Muth?

O zeig` mir her Dein blankes Schwert,
Zeig` mir sein Blut so roch,
Ich will es küssen tausendmal
Und weinen mich zu Tod`.

Sie drückt`s an ihren rothen Mund
Und weint in bitterm Schmerz,
Dann stößt sie es mit aller Kraft
Tief in Graf Werners Herz.

Das Fräulein klagt die ganze Nacht
In bitterm Jammer laut
Und als der frühe Morgen kam,
War sie dem Tod vertraut.


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