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Gedicht - Ida


Vasthi

Es saß mit seinen Großen im hohen lichten Saal
König Ahasver prächtig beim reichen Festesmahl —
Es glüht` von seinem Haupte der Krone lichter Schein,
Und Purpurfalten hüllten des Königs Glieder ein.
Mit goldenen Kleinodien der Tisch beladen war,
Dran saß der Fürsten und Großen so reich geschmückte Schaar.
Sie waren alle kommen heut zu des Königs Mahl,
Und Freude war und Jubel im reich geschmückten Saal.
Nun röthete die Stirnen der Feuerwein bereits —
Man sprach von Frauenschönheit und ihrem Zauberreiz.
Ein jeder pries die Schönste, die er nur je gesehn,
Und ließ der Liebsten Banner mit stolzen Worten wehn.
Ahasver hob vom Becher sein heißes Angesicht:
„Die schönste Frau auf Erden, ihr Alle saht sie nicht.
Wie Schnee erglänzt ihr Antlitz, ihr Auge dunkelblau,
Es ist die Königin Vasthi, ist meine süße Frau.
Ihr sollt sie heute schauen, und dann beschämt gestehn,
Daß so viel holden Liebreiz ihr nimmermehr gesehn.
Geh, Kämm`rer, geh mit Eile zum Frauengemache hin,
Sag dort mit meinem Gruße an deine Königin,
Daß sie sofort dir folge, und schwank und zaudre nicht,
Und Zeige ohne Schleier ihr holdes Angesicht.` —
Der Knabe scheint zu zögern, und geht dann eilend fort,
Im Saale wird es stille, verstummt ist jedes Wort,
Und aller Augen richten sich auf die Thür allein.
Umsonst in goldnen Bechern glüht lockend jetzt der Wein —
Da eilen draußen Schritte, der Vorhang rauscht empor:
Der Kämm`rer kommt alleine, der König springt empor.
„Wo ist sie, wo die Königin?` ruft laut und Zürnend er.
„Die Königin, hoher Herrscher, erwartet sie nicht mehr! —
Als ich ihr deinen Willen gebracht, und dein Gebot,
Da ward ihr stolzes Antlitz erst blaß, dann flammendroth.
Und mit erhobner Stimme gab sie die Antwort mir,
Die ich getreulich bringe, so wie sie sprach, Zu dir:
„Ich will nicht kommen, hörst du, Zu jenem wüsten Mahl,
Die Königin gehört nicht dort in den Männersaal;
Und ohne Schleier will ich nicht zeigen mein Gesicht,
Vor jenen fremden Gästen, hörst du, ich will es nicht!
Sag deinem König weiter, gehorsam ich ihm sei,
Doch niemals seine Sclavin, die Königin ist frei.
Die Mägde mag er holen zu Zeigen ihr Gesicht,
Die Königin, die Gattin, kommt ohne Schleier nichts`
Der König fährt vom Sitze, im Antlitz dunkle Gluth,
Aus feinen Augen sprühet die ungezähmte Wuth:
„Sie will nicht kommen, will nicht,` ruft er im Zorne aus,
„So mag sie heimwärts ziehen in ihres Vaters Haus,
Ich will so wahr ich lebe, der König einzig sein,
Mein Weib hat zu gehorchen, ich herrsche, ich allein,
Mein Wort allein soll gelten, und ihres nimmermehr,
Geh, Knabe, hol die Königin, die Königin Vasthi her!
Und sage ihr, wenn folgsam sie jetzt nicht meinem Wort,
Von meinem Reich und Erbe ich sendete sie fort —
Ich will in meinem Reiche doch Herrscher endlich sein!`
— Der Knabe geht und kehret nach kurzer Zeit — allein.
Und tritt hin vor den König — „Die Königin Vasthi schweigt.
Sie hat noch keinem Willen das stolze Haupt gebeugt,
Sie hörte meine Votschaft und hat sich abgewandt,
Und mich hinaus gewiesen mit ihrer weißen Hand.`
Da dröhnt des Königs Stimme gewaltig durch den Saal:
„Es will mir nicht gehorchen die Königin, mein Gemahl,
Ich stoße sie von heute von Herz und Thron zugleich
Und laß sie heimwärts ziehen in ihres Vaters Reich,
Sie war mein höchstes Kleinod, mein allerhöchster Schatz,
Doch sei drum nicht verlassen der Königin Vasthi Platz,
Nicht will auf goldnem Throne ich stehen jetzt allein,
Die schönste aller Frauen soll meine Gattin sein. —
Der Königin Vasthi Name wird niemals mehr genannt,
Es stirbt, wer sie vertheidigt,  schmachvoll von Henkers Hand.
So ist mein fester Wille, und also soll es sein,
Ich bin in meinem Lande der Herrscher, ich allein!`

* * *

Und Wochen sind vergangen, seit jenem Unglückstag,
Der König, er blieb eisern, und Vasthi gab nicht nach!
Sie hielt sich eingeschlossen, man sah ihr Angesicht,
Im schloß und in den Gärten seit jenem Tage nicht. —
Dem König seine Töchter brachte das Volk Zur Schau,
Die schönste unter Allen, sie wurde seine Frau,
Die junge Jüdin Ester, in ihrer üpp`gen Fracht,
Mit ihren Augen dunkel wie sternenlose Nacht.
Und wieder klang der Jubel, das Tönen durch den Saal,
Der König mit den Großen saß wiederum beim Mahl.
An seiner Seite lehnte sein junges, schönes Weib,
In Purpur und Juwelen gehüllt den stolzen Leib.
Der König hebt den Becher: „wer mag die Schönste sein?
Die reizendste der Frauen, bist Ester, du allein!`
Und brausend tönt das Rufen rings durch die Hallen hin:
„Heil Ester! Heil der schönen, der jungen Königin!`
Und Ester freundlich dankend den üpp`gen Nacken  beugt,
Der König sich so zärtlich zu ihr hinüber neigt.
Da plötzlich aus der Rechten fällt ihm der Goldpokal —
Ein hohes Fraungebilde steht mitten in dem Saal.
Sie trägt nicht Gold noch Perlen, sie trägt ein weiß Gewand,
Den weiten Purpurmantel faßt mächtig ihre Hand,
In schweren lichten Locken auf ihren Nacken rollt
Des Haares reiche Fülle, gleichwie gesponn`nes Gold.
Tiefdunkle Augen flammen in ihrem Angesicht,
Ein holdres sah die Sonne auf ihrem Laufe nicht. —
Und wenn auch Schmerz und Rummer die zarte Wange blich,
Wie ist sie hoch und herrlich, so stolz und königlich,
Und wenn sie auch verstoßen und ganz verlassen steht,
Da ist die rechte Hoheit, der Unschuld Majestät.
Und „Vasthi` ruft der König,  und „Vasthi` sein Gemahl,
„Die Königin`, so geht es wie Staunen durch den Saal,
Und alle Blicke fliegen zu ihr und Ester hin;
Nicht an des Königs Seite, dort steht die Königin.
Und Vasthi hebt zum Himmel die lilienweiße Hand,
Sie hat dem König ruhig das Antlitz zugewandt,
Und ihre tiefe Stimme klingt machtvoll durch den Saal:
„Es tritt Zum letzten Male vor dich dein Ehgemahl,
Ich ziehe einsam heute, der sünd`gen Sclavin gleich,
Von deinem Thron verstoßen, in meines Vaters Reich —
Du bleibst in Pracht und Jubel in deinem Glanze hier, —
Den besten deiner Schätze, ich nehme ihn mit mir,
Die Perle werth und theuer für deinen stolzen Thron,
Ich nehme sie von hinnen, sieh her, es ist dein Sohn!`
Und in des Mantels Falten sie ihm ein Kindlein zeigt
Und sich mit zarter Sorge zu ihm hernieder beugt,
Und seine Händchen küsset mit Wehmuth und mit Lust,
Und`s wieder sorgsam bettet an ihrer treuen Brust.
Dann fährt sie wieder muthig mit klarer Stimme fort:
„Dies Kind ist der verstoßnen dereinst ein starker Hort,
Es soll als Mann gedenken, was man an ihm verbrach,
Und blutig einst vergelten der Mutter tiefe Schmach!
Ich will ihn mir erziehen, den heißgeliebten Sohn,
Daß er einst würdig schmücke des stolzen Reiches Thron.
Ob auch dein Erstgeborner und Blut von deinem Blut,
Sei doch vor deinem Sohne, o König, auf der Huth!`
Die Kön`gin schweigt, und wendet sich rückwärts zu dem Thor,
Da springet Ester eilend von ihrem Sitz empor:
„Sie soll, sie darf nicht gehen, laßt ihr den Knaben nicht!`
Ruft sie mit lauter stimme und blassem Angesicht.
Und Vasthi sieht sich machtvoll nach der Rivalin um,
Erst ist die stolze Lippe der Königin Zornesstumm,
Dann tritt sie dicht vor Ester und sieht sie ruhig an,
Und spricht mit voller, klarer und lauter Stimme dann:
„Du hast der Königstochter das Reich, den Thron geraubt,
Schmückst mit der Kön`gin Krone dir stolz das dunkle Haupt.
Du nahmst den Mann der Gattin, nahmst den Geliebten mir,
Ich war zu stolz zum Kampfe, du siehst, ich ließ ihn dir!
Du nahmst dem Königssohne der Väter reichen Thron —
Jetzt willst du einer Mutter entreißen ihren Sohn?
Mein Kind willst du mir nehmen, Versuchs, ich trotze dir!
Mein Knabe bleibt mein Eigen, mein Knabe bleibt bei mir!`
Und ihre Augen stammen, die stimme zittert nicht,
Es strahlt das marmorweiße, holdselge Angesicht!
Dann schlingt sie um den Knaben den Mantel fest und warm
Und drückt ihn an den Busen mit ihrem starken Arm.
Der König blickt noch einmal das schöne Antlitz an,
„O Vasthi,` ruft er, „Vasthi, was hast du mir gethan!`
Die Königin blickt hinüber zu ihm so ernst und fest,
Mit ruhgen leichten Schritten den Saal sie stolz verläßt.
Der König birgt das blasse, verstörte Angesicht.
Und Über Alle flammet der Kerzen strahlend Licht!
Der Mondenschein glänzt silbern hin über Feld und Au,
Strahlt auf dem lichten Haare der wunderschönen Frau,
Die dort im weiten Garten so einsam ruhig wallt,
Und hüllt in Silberschleier die herrliche Gestalt.
Es schimmern zart und rosig, so Wangen ihr und Stirn,
Wie Schnee im Morgenglühen auf hoher Berge Firn,
Die Augen schauen sinnend weit in die Ferne hin —
Du kennst sie, es ist Vasthi, die junge Königin.
Sie bleibt jetzt stehn, und wendet sich hastig, eilend um,
Die großen Augen strahlen, die Lippe nur bleibt stumm,
Sie breitet ihre Arme nun aus so warm, so weit,
Und ihre Pulse schlagen in reiner Seligkeit,
Ein Knabe kommt die Wege hinab in hastgem Lauf,
Sie fängt voll stolzer Freude ihn in den Armen auf.
Er schlingt die kleinen Hände um seiner Mutter Arm,
Und ihre Wangen küssen die Lippen roth und warm.
Er ist noch klein und zierlich, kaum sieben Sommer alt,
Doch ist so schlank und kräftig die kindliche Gestalt,
Aus seinem Antlitz leuchten zwei Augen groß und klar,
Und um die weiße stirne weht lockig dunkles Haar!
Mit leiser weicher stimme die Königin zu ihm spricht:
„Komm mit, mein Herzensknabe, verlaß mich länger nicht,
Muß deine arme Mutter denn immer einsam sein?
Bleib du an meiner Seite, laß mich nicht so allein.`
Er schaut so ernst verständig die liebe Mutter an:
„Noch kann ich bei dir bleiben, doch bin ich erst ein Mann,
Dann zieh zu Kampf und Schlachten ich in die Welt hinaus-
Und kehre nur als Sieger heim in das Vaterhaus!`
Sie sieht ihm ernst und trübe ins stolze Angesicht —
„Mein armes Kind, dir wachte ein Vaterauge nicht!`
Sie gehen langsam heimwärts, hinauf zum hohen Saal,
Auf Vasthi`s Locken schimmert der Kerzen lichter Strahl,
Sie läßt sich müde nieder, Zu ihren Füßen liegt
Der Knabe, der sich zärtlich an ihre Kniee schmiegt.
Er spricht von Ruhm und Siegen, sie lauscht ihm abgewandt,
Und über seine Locken streicht zärtlich ihre Hand.
Sie sieht im Geist ihn streiten um seines Vaters Thron,
Sie sieht gerächt sich endlich durch ihren einzgen Sohn.
Die Jahre sind vergessen, die Jahre voller Schmach,
Sie denkt nur der Vergeltung mit ganzer Seele nach,
Sie sieht die einstge Heimath vergehn in Feuers Gluth
Und Wehruf in den Straßen, und der Erschlagnen Blut!
Und düster jetzt und machtvoll der Kön`gin Augen glühn,
Hat Vasthi, hat die Stolze noch immer nicht verziehn? —
Der Knabe plaudert weiter: „Es schäumt mein weißes Roß
Und Einlaß fordre ich drohend an meines Feindes Schloß!` —
Da dröhnt hin durch die Hallen ein Schrei so laut, so wild,
Und Vasthi aufgerichtet steht wie ein Marmorbild.
Mit ihrer starken Rechten hat sie das Kind umfaßt,
Ihr Busen ringt nach Athem, ihr Antlitz ist erblaßt.
Dort an des Saales Pforte, von dunklem Kleid umwallt,
Steht eine hohe, stolze, gebietende Gestalt.
Ein dunkles, ernstes Antlitz ist Vasthi zugewandt,
Des Schwertes Knauf hält machtvoll des Fremden starke Hand.
„Mein Kind,` ruft seine Stimme, „mein Sohn, komm her zu mir!`
Du Erbe meines Thrones, ich schmachtete nach dir!`
Die Königin ermannt sich: „Bleib bei mir, du mein Sohn` —
Die weiche süße Stimme hat einen fremden Ton:
„Der dich und mich verstoßen von seinem Thron und Tand,
Hat sich von seinem Kinde auf ewig abgewandt,
Trotz bot ich deinem Weibe, Trotz biet ich heute dir,
Mein Knabe bleibt mein Eigen, mein Knabe bleibt bei mir!!
Und hast du frevelnd einst mir und ihm den Thron geraubt,
Noch schmückt die Königskrone stolz der verstoßnen Haupt,
Und ob ich sieben Jahre schon in der Fremde bin,
Nicht dort auf deinem Throne,  hier steht die Königin!`
Sie hebt die Hand zum Himmel mit blassem Angesicht,
Wie zauberschön ihr Antlitz, sie weiß es selber nicht!
Den stolzen Nacken küsset das lange, lichte Haar;
Wie Sterne leuchtend, schimmernd erglänzt ihr Augenpaar.
Der König tritt ihr näher und beugt das stolze Knie:
„O Vasthi, Heißgeliebte, kannst du vergeben nie?
Ich ließ mein Tand und Erbe, ließ meiner Väter Thron,
Um dich mir zu gewinnen, und meinen, unsern Sohn.`
„Und Ester?` ruft die Königin mit blassen Tippen aus.
„Ich ließ sie heimwärts ziehen in ihres Vaters Haus,
Ich habe sie verstoßen, sie und ihr ganz Geschlecht,
Ich blieb allein und einsam, Vasthi, du bist gerächt!
Trüb waren meine Tage, und sternlos meine Nacht,
Es schien mir matt des Thrones und meines Reiches Fracht,
Die langen sieben Jahre, sie brachten mir kein Glück,
Sie brachten keine Vasthi mir an mein Herz zurück!
Es klang wie Trauertöne wie klagend an das Ohr,
Daß jene, die ich liebte, auf immer ich verlor,
Und keine Frauenschöne mit ihrem Reiz beschlich
Das Herz, darin du herrschtest— Vasthi, ich liebte dich!`
Das Kind tritt leise näher hin zu dem fremden Mann,
Und sieht mit tiefer Bitte das Mutterantlitz an.
Der König schweigt und wartet, sie spricht noch immer nicht,
Er sieht das lilienweiße, holdselge Angesicht,
Und steht mit raschem Schritte von seinen Knieen auf,
Und faßt in beide Hände des Schwertes breiten Knauf:
„Leb, wohl denn, Vasthi,` ruft er, „mögst du es nie bereun,
Du sahst mich dir zu Füßen, und konntest nicht verzeihn,
Du sahst des Königs Thräne, er hielt sie nicht zurück,
Dein Mund blieb still und trotzig und thränenlos dein Blick!
Behalte deinen Knaben, ich muß ihn lassen dir,
Ich nehme nur mein Elend und meinen Schmerz mit mir!`
Er wendet sich zum Gehen, da ruft die Königin:
„Nimm deinen Sohn und Erben, o König, nimm ihn hinl`
Sie tritt ihm schwankend näher, den Knaben an der Hand,
Das marmorblasse Antlitz dem König zugewandt.
Sie sinkt an seiner Seite nun langsam auf das Knie:
„Mein König, mein Geliebter, du siehst, daß ich verzieh,
Mir war ja jede Stunde, die sieben Jahre lang,
Nach dir und deiner Liebe die heiße Seele krank.
Mein König, mein Geliebter, nimm hin mich an dein Herz,
Ich will nicht länger tragen der Trennung Qual und Schmerz —
Ich hab den Stolz gebeuget, den trotzig starren Sinn,
Nimm mich in deine Arme, mein Herr und König, hin!` —
Der König sieht wie zweifelnd auf sie und ihren Sohn,
Er hört der süßen Stimme so langentbehrten Ton,
Das heißgeliebte Antlitz, er sieht es wie im Traum,
Er traut ja seinem Herzen und seinen Augen kaum.
„Mein König, mein Geliebter,` leis` ihre Stimme spricht,
Ein Strahl von heißer Liebe aus ihrem Auge bricht.
Da schlingt er beide Arme um die geliebte Frau,
Und draußen grüßt das Frühroth die morgenfrische Au!


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