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Gedicht - Ida


Prinzessin Brunhilde

Es ragt mit seinen Bergen, mit seinen Tannen schwarz,
Gewaltig in die Lüfte der wunderschöne Harz.
Dort auf dem schroffsten Felsen stand einst in alter Zeit
Die Burg des Riesenkönigs, des Herren weit und breit.
Der herrschte über die Berge, mit eisenfester Hand,
Und über das von Riesen bewohnte flache Land.
Sein war des rothen Goldes wohl ungezählte Pracht,
Und Silber gruben Zwerge für ihn aus tiefem Schacht.
Doch über alles Kleinod, das in den Truhen schwillt,
Galt ihm sein wunderschönes, sein einzig Kind Brunhild.
Sie war so schlank, so lieblich, mit Augen wunderklar,
Gleich blauen Bergesquellen, mit langem lichten Haar,
Mit Wangen frisch und rosig, mit Händen blüthenweiß —
Es sangen alle Lande rings ihrer Schönheit Preis. —
Da kam in jene Berge ein wildes Riesenheer,
Herrn Bodo`s starke Mannen vom Böhmenlande her,
Die zogen hin zum Meere wohl durch des Harzes Grün.
Herr Bodo ließ die Reisgen voraus von dannen ziehn,
Er blieb noch in dem Schlosse des Riesenkönigs Gast,
Und freute sich behaglich an solcher süßen Rast.
Er sah Brunhildens Schönheit, ihr Walten mild und gut,
Und liebte sie mit wilder, mit ungezähmter Glut. —
Sie floh scheu vor dem Riesen, wie fromme Taube flieht,
Wenn sie am blauen Himmel den Geier schweben sieht.
Sie schloß sich furchtsam schüchtern ein in ihr traut Gemach,
Wenn Wirth und Gast im Saale begannen das Gelag.
Der Riese sah Brunhildens Scheuheit mit heißem Grimm,
In seiner Seele wogten viel Pläne bös und schlimm.
Er rief mit wildem Blicke den Knappen zu sich her,
Das war ein arger Zaubrer, mit Namen Giselher.
„Hör an,` sprach jetzt Herr Bodo, „ich bin in schlimmer Pein
Ich liebe schon Brunhildis, des Königs Töchterlein;
Sie aber flieht mich schüchtern, und haßt mich gar so sehr,
Und ohne sie verlaß ich den Harz doch nimmermehr.
Ich möchte wohl sie rauben, doch sie verläßt das Schloß
Stets nur auf kurze Strecken mit ihrem weißen Roß.
Nun gieb du, kluger Knappe, mir deinen guten Rath,
Wie mach ich`s, daß in Liebe mir die Prinzessin naht?
Der Knappe wiegt bedenklich den Kopf wohl hin und her:
„Vielstarker Ritter Bodo, das ist nicht gar so schwer.
Mit Zaubertränken freilich ist bei ihr nichts gethan,
Ihr müßt sie vielmehr locken aus dieses Schlosses Bann.
Wenn wieder sie die Hallen verläßt auf kurze Zeit,
Dann sattelt euren Renner und haltet euch bereit.
Ich will sie schon verlocken, daß Vorsicht sie vergißt,
Es sei dann eure Arbeit wie ihr sie fahen müßt.`
Da lachte grimm Herr Bodo in seinen Bart hinein:
„Das laß, mein treuer Knappe, nur meine Sorge sein,
Mein Riesenpferd, das schwarze, holt jeden Renner ein,
Dann hab ich dich, Brunhildis, du stolzes Mägdelein.` —
Es war am frühen Morgen, die Sonne kam hervor,
Licht hinter rothen Wolken — da öffnet sich das Thor.
Und Brunhild wieder sorgsam sodann die Pforte schloß,
Sie führte an dem Zügel ihr zahmes weißes Roß.
Das war von edlem Blute, ein Renner riesenstark,
Von schlankem leichtem Baue, mit eisenfestem Mark.
Das Haar erglänzte silbern wie frischgefallner Reif,
Und lockig glitt zum Boden der lange dichte Schweif.
Es war von der Prinzessin getränkt mit eigner Hand,
Sie selber flocht die Mähne, die glatte, ihm gewandt.
Sie liebte es so innig, ihr edles, schönes Roß,
Und hätt es nicht gegeben um ihres Vaters Schloß. —
So saß sie jetzt dort oben auf dem geliebten Thier,
Das ging so sacht und muthig, so sicher unter ihr,
Es war sich wohl in Freuden der schönen Last bewußt,
Und wieherte so jubelnd und laut aus voller Brust.
Es hob Brunhildis sinnend die lilienweiße Stirn,
Sie sah die Sonne schimmern auf hoher Berge Firn,
Sie sah die Tannen düster und majestätisch stehn,
Und hörte tief im Grunde die klaren Bäche gehn.
Und rings erscholl im Walde der Vögel heller Sang,
Die jubelten so wonnig mit klarem, süßen Klang,
Die sangen laut von Frühling, von Liebe und von Leid,
Und stille, stille lauschten die Blumen weit und breit.
Da plötzlich sah Brunhildis dort an des Berges Höh`,
In stillem Frieden äsend, ein leuchtend weißes Reh.
Das sah mit dunklen Augen die Königstochter an,
Und schien gar wohl zu wissen, daß sie nichts Böses sann.
Dann ging es wenig Schritte weit in den Forst hinein,
Und drehte klug das `Köpfchen: „Folg mir, Prinzessin mein!`
Dann floh es schnell von hinnen als die Prinzessin naht,
Es folgt ihm rasch der Schimmel auf unwirthbarem Pfad.
Brunhildis schlug das Herze, das Rehlein hemmt den Lauf,
Ganz plötzlich stand es stille, und ging in Nebel auf,
Und als sich der verzogen, verschwunden war das Reh,
Und nur ein schwarzer Geier flog krächzend in die Höh.
Da rann ein kalter Schauer Brunhild durch Mark und Bein,
Und sie gedachte zitternd, wie sie so ganz allein.
Sie hielt dort still und horchte, was rauschte durch den Tann?
Da kamen Rossestritte in wilder Eil heran!
Und sieh, ein kleines Zwerglein dort aus dem Felsen trat.
Das rief: „Flieh, flieh, Prinzessin, der Riese Bodo naht!`
Und als Brunhild vernommen des Zwerges ängstlich Schrein,
Da hob sich stolz im Sattel des Königs Töchterlein.
Sie dankte hold dem Kleinen mit warmem Gruß und Wort,
Und griff dann fest die Zügel, wohlauf denn, fort, nur fort!!
Das war ein wildes Jagen, das jetzt mit Macht begann,
Wohl niemals sah ein solches auf Erden wieder man.
Voraus das Roß Brunhildens, gleich einer Flocke Schnee,
Vom Winterwind gewirbelt hoch auf des Berges Höh!
Und hinter ihm der Rappe in weiten Sätzen ging,
Das Auge seines Reiters an Brunhild flammend hing.
Es blieb des Vogels Eile zurück bei diesem Ritt.
Der frische Wind der Berge er kam fürwahr nicht mit.
So sausten beide Renner mit ihrer Herren Last
Bergauf, bergab, und weiter in immer gleicher Hast.
Wohl nahte schon der Mittag, die Sonne glühend stach,
Es ließen doch die beiden in Schnelligkeit nicht nach.
Da plötzlich stutzt der Schimmel und bleibt gefesselt stehn,
Und was muß nun Brunhilde mit Todesschrecken sehn? —
Vor ihr thut sich gewaltig die Felsenspalte auf,
Tief unten rauscht das Wasser in pfeilgeschwindem Lauf.
Es ruft sein tiefes Brausen wie höhnend zu ihr auf:
„Du schöne Königstochter, halt an den wilden Lauf!`
Brunhilde wirft verzweifelnd den irren Blick umher,
Wie wird, so jung und lieblich, das Sterben furchtbar schwer. —
„Soll hier an diesem Abgrund des Kampfes Ende sein?
Viel lieber stürz ich sterbend aufs harte Felsgestein.`
Und um den Hals des Renners sie fest die Arme schloß:
„Nun rette mich, mein treues, mein tapfres, edles Roß!`
Das Pferd begann zu wiehern, und hob den starken Huf,
Als hätt es wohl verstanden der Herrin Schreckensruf!
Und näher kam Herr Bodo auf seinem Riesenpferd,
Er sah mit wildem Jubel Brunhildens Flucht verwehrt.
Da — traut er seinen Augen, es täuschten sie ihn schier,
Ansetzt zum Todessprunge Brunhildens starkes Thier!
Gleich einem weißen Blitze schoß es jäh durch die Brust
Und schwebte über der tiefen, der riesenweiten Kluft. —
Er sah die Krone schwanken in der Prinzessin Haar,
Sie fiel gleich einem Sterne hinab ins Wasser klar.
Und sieh — es ist gelungen, das Riesenwagestück,
Und Bodo fichts mit Grausen, mit wildem, irrem Bllick.
Er treibt den Hengst im Rasen jetzt nach Brunhildens Roß,
Er spornt die blutgen Flanken des Thiers erbarmungslos.
Das stemmt die Vorderhufe fest an den Felsengrund,
Als wollt es nimmer wagen den grauenhaften Sprung.
Dann hebt es sich gewaltig, und streckt sich riesenhaft,
Und wagt den Satz mit letzter, schon mit versagter Kraft.
Da ists, als ob der Unschuld ein milder Engel wacht:
Es hätte fast der Rappe den wilden Sprung gemacht.
Es setzt die Vorderhufe dort drüben aufs Gestein,
Und kann sich doch nicht halten und kämpft in Todespein.
Da weichen seine Kräfte, es faßt nicht festen Fuß,
Und nieder stürzt mit Bodo das Roß tief in den Fluß.
Es schlagen dunkle Wasser zusammen über ihm,
Kein Auge sah ihn wieder, den Recken bös und schlimm.
Und drüben liegt Brunhildis in Demuth im Gebet,
Und neben ihr, noch zitternd, der treue Schimmel steht.
Es schlugen seine Hufe sich in den Boden ein,
Man sieht die mächtgen Spuren noch heut im Felsgestein.
Und unten in der Bode, im tiefsten dunkeln Grund,
Bewacht der Fürst die Krone als zottig schwarzer Hund.
Und wer nach Schätzen lüstern dort nach dem Kleinod sucht,
Den sieht man nimmer wieder — die Stätte ist verflucht! —
— Das ist die alte Märe aus ferner, ferner Zeit,
Da noch die Riesen hausten im Lande weit und breit.
Und willst du, junger Wandrer, zum grünen Harze gehn,
Da kannst als ewgen Zeugen das alte Mal du sehn.
Dort schlug, Brunhilde rettend, ins harte Felsgestein
Der treue starke Renner den Riesenhuftritt ein. —


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