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Gedicht - Gustav Pfizer


Kupferstecher Müller

Es hatte an irdischen Werken genug
Versucht sich des Künstlers Walten;
Da steigt er auf mit kühnerem Flug
Zu göttlich hohen Gestalten.

Ihm ist, als schaut` er mit Engelsblick
Der Schönheit entschleierte Sonne,
Er sinkt in heiligem Schauer zurück
Vor Rafaelo`s Madonne.

Lang hatt` er getragen das himmlische Bild
Mit Schmerzen in seinem Innern;
Jezt dämmert, da sich`s dem Auge enthüllt,
In der Seele ein süsses Erinnern.

Es ist sein ewiges Eigenthum,
Es drängt ihn, sein Recht zu beweisen;
Doch will nicht der Künstler den herrlichen Ruhm
Dem göttlichen Maler entreißen.

Es ist ein Gesetz in der Geister Gebiet,
Dass sich Grosses und Grosses nicht hassen;
Dass voller der Ruhm, der getheilte, erblüht,
Und die Gleichen sich hebend umfassen.

Nicht vermochte der Farben vergängliche Pracht
So heiss sein Gemüth zu entzünden;
Er strebt nur der Schönheit himmlische Macht,
Stiller Schönheit Reiz zu ergründen.

Es bedarf der Geist, in den Himmel entzückt,
Nicht des sonnigen Schimmers der Farben,
Und die Nacht, die das Irdische niederdrückt,
Macht göttliche Glorie nicht darben.

Du staunst, wie der Meister mit Kunstgewalt
Die harten Metalle bezwungen?
Wie, er der Platte die Engelsgestalt,
Die beseelten Züge entrungen?

O staune vielmehr, dass ein sterblich Gemüth
Ist göttlicher Herrlichkeit Spiegel,
Dass des Staubes Kind zu der Seel`gen Gebiet
Sich erhebt auf der Ahnungen Flügel!

Ganz zum Bilde, das in ihm offenbar,
War des Künstlers Seele gewendet,
Und als er nach manchem stillen Jahr
Die seelige Mutter vollendet:

Da hatte ihn schon ein himmlisch Geschlecht
Sich zum Genossen erkoren;
Da hat er auf Erden das Bürgerrecht
Und Habe und Heimath verloren.

Du hast, o Müller! im Schattenton
Die Mutter Gottes verkläret,
Da wurdest du selbst der Trauer Sohn,
Dein Sinn ward vom Dunkel beschwert.

So frühe hast du die Werkstatt geräumt
Und enteiltest der Welt Getümmel,
Denn wer auf der Erde am tiefsten geträumt,
Wird am seeligsten schauen im Himmel.


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