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Gedicht - Ignaz Franz Castelli


Epigramme auf Blasius Knaster, den großen Tabakrau...

1.

Im Hause von Knasters Eltern entstand
Durch eine Tabakspfeife ein Brand;
Die Mutter wurde aus jähem Schreck
Von einem Knaben zu früh entbunden,
Da hat unser Knaster dem Schooß sich entwunden
Und trug an der Stirne den Feuersteck.

2.

War fleißig der Knab` und von guten Sitten;
Und durft` er sich eine Gnad` ersteh`n,
So war es die größte von all` seinen Bitten:
`O Vater, laß deine Pfeifen mich seh`n!`

3.

Cupido`s Macht konnt` er niemals begreifen:
`Er hat ja nur Pfeile und keine Pfeifen!`

4.

Man sagt` ihm, die Küsse,
Sie wären so süße; —
Er küßt` und sprach lächelnd: Wozu sott das taugen?
Kann man doch nicht Rauch aus den Lippen saugen.

5.

Und wenn er sich doch bis zum Küssen verlor,
So küßt er nur Mag`re; da stellt er sich vor,
Er bring` an die Lippen sein Pfeifenrohr.

6.

Vor allen Gänsen hat er Respekt,
Weil man ihre Kiele an`s Pfeifenrohr steckt.

7.

Gehört` er zur Mineralogen-Raye,
Er sammelte gar nichts als Rauchtopase.

8.

A.

Seht, einen guten Kopf hat Klaus!

Knaster

Wie lange raucht er schon daraus?

9.

Das schönste Los dünkt Knastern hier auf Erden:
Daß jeder Mensch einmal muß Asche werden.

10.

Sein Leben muß ihm schnell verschwinden,
Ein Sechstheil braucht er um zu stopfen,
Ein Sechstheil dann um anzuzünden,
Die Hälfte braucht er um zu rauche n,
Das letzte Sechstheil wird er brauchen,
Um seine Pfeifen auszuklopfen.

11.

Vier Elemente, innig gesellt,
Bilden sein Rauchen, bau`n seine Welt:
Der Kopf seiner Pfeif` ist von Erde,
Luft muß haben das lange Rohr,
Das Feuer bewirkt, daß der Rauch ihm werde,
Aus dem Mund` lockt ihm dieser das Wasser hervor.


12.

Für Schauspieler ist er sehr fürchterlich;
Hat stets im Theater sein Pfeifchen bei sich.

13.

Ein schlechter Autor nur beut ihm Genuß;
Er liefert Papier ihm zu Fidibus.

14.

`Viel Kopfe viel Sinne!` das Sprichwort ist wahr;
Doch nur bei Knastern allein nicht zu brauchen:
Er hat zwar v i e l Kopfe; doch immerdar
Nur einen Sinn, und der steht nach dem Rauchen.

15.

Mag die Welt auch wie sie will verderben,
Nichts macht Knaster sich daraus;
Nur die Sündfluth macht ihm Graus:
Diese löscht sein Pfeifchen aus,
Und da müßt` er ohne Rauchen sterben.

16.

Willkommen ist ihm trübes Wetter:
Es baucht ihm, als rauchten im Himmel die Götter.

17.

Hans stürzt in`s Zimmer todtenbleich
Und ruft: Herr! steh`n Sie schnell doch auf;
Es brennt! — Da spricht Herr Knaster drauf: —
Ei! löscht nicht aus, ich rauche gleich.

18.

Die Hölle scheint Knastern so fürchterlich nicht,
Da es mindestens dort nicht an Feuer gebricht.

19.

Die Ehre ist ein bunter Rauch.

Knaster.

Ganz recht; — gibt`s etwas Schöner`s auch?

20.

Was and`re Menschen am meisten verdrießt,
Wird Knaster mit größtem Vergnügen sehen:
Daß die Stirn ihm mit Wolken umzogen ist,
Und daß seine Wünsche in Rauch aufgehen.

21.

Knaster`s Wirthschatterin.
Der Ofen raucht doch gar infam,
Es schmerzen mich die Augen beide;
Der muß hinaus!

Knaster.

Der bleibt Madam;
Man laß` dem Ofen seine Freude!

22.

Wenn einstens Knasters Auge bricht,
So wird die Redensart nicht trügen,
Mit welcher man so passend spricht:
`Er liege in den letzten Zügen.`

23.

Knaster`s Grabschrift.

Es schließet dieser Grabesstein.
Des größten Rauchers Reste ein,

Zur Asche macht` er Alles hier auf Erden
Und müßte dann auch selbst zu Asche werden.
Willst, — Wandrer, ehren diesen Mann,
So zünd` bei seinem Grab ein Pfeifchen an.


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