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Gedicht - Heinrich Beitzke


Die Adelsberger Höhle in Krain

Ein kahler Berg, besä`t von grauen Steinen,
Ragt vor in einer weiten Felsenwüste,
Wo hie und da ein armes Bäumchen sprießte. —
Ein träger Bach, von dem ich möchte meinen,
Er hätte ganz verlernt sich zu ergießen,
Träumt hier heran bis zu des Berges Füßen.

Verschlossen ist sein Weg von allen Seiten,
Aufwacht er plötzlich von sorglosem Träumen,
Fort muß er — und er darf nicht lange säumen.
Umsonst ist Flucht, wo doch nicht auszugleiten,
Er stürzt sich in den Bergesschlund erbangend,
Nach fernem Ausgang harrend und verlangend.

Du staunst, daß hier ein Fluß bergein geflossen
Und hast doch stets gesehn bergaus ihn rauschen;
Doch warte nur, hier will sich alles tauschen,
Im Berge liegt die Schönheit aufgeschlossen.
Von außen ist`s hier öd` und ohne Leben,
Doch drinnen werden Wunder Dich umgeben.

Du trittst hinein, wie in des Hades Nacht.
Allein der Lampen Licht führt Dich die Wege,
Hinauf, hinab und über Brücken, Stege.
Zu Deinen Füßen rauscht der Fluß mit Macht.
Es ist, als giengst Du ein zum Schattenlande
Und wärst an des Cocytus grausem Strande.

Erstaunen folgt auf jedem Deiner Tritte;
Du wandelst hin durch hohe Klostergänge
Mit weißer Säulenpracht, bald weit, bald enge.
Und wie Du durch ein Thor gelenkt die Schritte,
So glaubst Du Dich in hohen Domes Raum
Mit Säulen, deren Ende mißt Du kaum.

Es fehlt nicht Orgel, Kanzel und Altar,
Die in dem Schein von hundert Lampen prangen.
Es ist, als wäre Christfest angegangen
Und die Frühpredigt sollt` beginnen gar.
Die Täuschung wächst und Glockenklang erschallt
Aus dem Gestein mit dröhnender Gewalt.

Es wechselt schnell, Du steh`st dort am Portal,
Zwei Löwen liegen schlafend an den Säulen,
Du trittst hindurch und siehst Dich ohne Weilen
In einem weißen ungeheuren Saal.
Hier pflegt der Gnomenkönig seine Banden,
Sein Geistervolk zu sammeln aus den Landen.

Hier liegen auch, verzaubert in Gestein,
Die einst des Gnomenkönigs Zorn erfahren,
Frau`n, Ritter, Knechte, schon seit tausend Jahren.
Viel Andern ließ er nicht der Menschen Schein;
In Löwen, Drachen, Schlangen, Wölf` und Affen,
In jedes Thier hat er sie umgeschaffen.

Du flieh`st — und bist in ein Gemach gedrungen,
Rund, hoch, geräumig, schimmernd weiß polirt,
Mit schlanken Säulen wunderbar geziert,
Mit Kapitalem blumenreich verschlungen.
Du suchst dort oben nach arab`schen Zeilen
Und glaubst hier in Alhambra`s Pracht zu weilen.

Kaum faßt Du alles, was Dein Auge sah,
Dann schwinden selbst der Wölbung kühne Bogen,
Ein Hügel hat sich auf den Pfad gezogen,
Darauf erblickst Du, wie auf Golgatha,
Mit Staunen hier, in wunderbarem Reize,
Den Herrn und die zwei Schächer an dem Kreuze. —

Bist Du in diesen labyrinthschen Wänden
Durch tausend neue zauberhafte Orte
Gekommen wieder zu des Tages Pforte,
Wo Dich der Sonne helle Strahlen blenden,
So glaubst Du an das Kurzgeschaute kaum
Und alles scheint Dir nur ein bunter Traum.


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