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Gedicht - Hanns


Das Fenster

Du leeres Fenster hoch am grauen Haus,
Du Lücke, die man einst dem Lichte ließ,
Dem Farbenstrom von draußen und von drinnen -
Wer alles lugte schon durch dich heraus,
Den dunkler Trieb ins Dämmerdasein stieß
Zu Lust und Leid, zum Sehnen und zum Sinnen?

Wie viele müden Alten mögen hier,
Im Sorgenstuhl beschaulich vorgerückt,
Ein letztes Weilchen noch gesonnt sich haben -
Wie manche schmucke Jungfer hat aus dir
Herabgelauscht beklommen und verzückt
Dem Liebeslockruf eines kecken Knaben!

Wie oft schon ließest du den Himmel ein
Zu einem Paare, das sich still und froh
Da droben in sein Heiligtum geborgen!
Wo sind sie, alle deine Kinderlein,
Die dir im Arme grüßten mit Halloh
Den ersten Schnee, die goldnen Sommermorgen?

Sie alle, die du hier umfangen hast,
Sie schwanden fort nach kurzem Heimatswahn
Als Bilder, wechselnd in dem einen Rahmen;
Und immer neue ludest du zu Gast
Und schenktest allen deine Sonnenbahn,
Daraus sie Glück und Schuld und Schicksal nahmen!

Heut` bist du einsam und gedankenvoll -
Dem du zuletzt die bunte Welt gezeigt,
Den haben neulich sie herausgetragen;
Nur kahlen Wänden gibst du Licht. Wer soll
Nun in den Rahmen, der erwartend schweigt?
Doch sieh! vorm grauen Hause hält ein Wagen.


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