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Gedicht - Ignaz Franz Castelli


Lob der Nacht

Dir, o Trösterin im Leiden,
Dir verschwiegnes Kind der Zeit,
Mutter aller stillen Freuden,
Nacht! dir sei dies Lied geweiht.
Breitest du den dichten Schleier
Über Hain und Wald und Flur,
Da begehet ihre Feier,
Sich erquickend, die Natur.

Kommst du gleich ganz schwarz gegangen,
Ist dies doch kein Trauerkleid;
Denn von deinem Arm umfangen,
Ruht der Mensch und ruht sein Leid.
Schauerlich erhellt die Sonne
Manches Elends Schreckensraum,
Sieh, da beut dein Dunkel Wonne
Dem Unglücklichen im Traum.

Liebchen dem beim Strahl des Lichtes
Schneller sich ein Abgrund zeigt,
Flieht ihn scheuen Angesichtes,
Doch ist`s Nacht, dann bleibt sie — schweigt,
Duldet Küsse, die sie weigert,
Strahlt der Tag in`s Lippenspiel;
Deine süße Kühle steigert
Dann der Liebe Hochgefühl.

Wenn nach ihrer Tagesreise
Müde sich die Sonne senkt,
Alles ruht, — dann sitzt der Weise
In dem Kämmerlein und denkt;
Nicht gestöret mehr von Thoren
Sich sein Geist zum Äther schwingt,
Und so wird in Nacht geboren,
Was den Tag in`s Leben bringt.

Steigt die Sonne aus dem Meere,
Wird auch wach der Menschen Haß,
Gen einander zieh`n die Heere,
Und erwürgen sich zum Spaß,
Und so stürzen Tausend nieder
Oft an einem Tag der Schlacht,
Doch ersetzest schnelle wieder
Die Verlornen du, o Nacht.

Alle Übel, die uns quälen,
Was uns nur verwunden mag, —
Ach wer kann sie alle zahlen? —
Peinigen uns nur bei Tag`:
Advokaten, — schlimme Weiber, —
Gläub`ger, — Aristarchenmacht, —
Ärzte und Kritikenschreiber
Bringst zum Schweigen du, o Nacht.

Noch das Höchste will ich künden: —
Was dir deinen Ruhm erhält:
Deinem Schooße sich entwinden
Sah man einst die ganze Welt.
Darum Nacht sei dir zu Ehren
Dieses kleine Lied gebracht,
Will mich stets für dich erklären,
Nur nicht für die ew`ge Nacht.


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